Tortenquatsch mit Nicola Keysselitz

Nicola Keysselitz ist eine Tortenkünstlerin, die einzigartige Figuren formt. Aus Fondant oder Modellierschokolade macht sie Karikaturen von Personen. In ihrem Studio direkt am Starnberger See gibt sie dieses Wissen in Kursen und Workshops weiter.

Aber auch als Gastdozentin ist sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs.

Auf diversen Messen konnte man ihre Werke ebenfalls begutachten, wo Sie schon mit Best in Show ausgezeichnet wurde. Mittlerweile ist sie selbst ein Teil der Jury.

Ich freue mich besonders, dass ich mit Nicola einen Tortenquatsch führen durfte und starte nun mit dem Interview:

Nicola Keysselitz

  • Deine modellierten Figuren sind weltbekannt und sind einzigartig. Hast du lauter Verrückte im Kopf? (lacht) Woher kommt deine Inspiration?

Ich liebe lustige Situationen und beobachte viel, sei es wenn ich in einem Café sitze oder irgendwo warten muss. Ich liebe Mimik und bin immer wieder begeistert davon und kann mich fast nicht satt sehen. Inspirationen vom Internet kann man natürlich nicht entgehen, aber letztendlich machen sie mich nervös, da ich es hasse Dinge „nachzumachen“. Für mich ist es wichtig immer „meine Note“ drin zu haben, daher kommen meine Inspirationen wirklich vom Leben selbst!

  • Eine lange Zeit hast du in Spanien gelebt. Kannst du uns von dieser aufregenden Zeit etwas erzählen?

Nun, diese „aufregende“ Zeit hat sehr wenig mit der Kuchenwelt zu tun. Ich hab mit 21 Jahren mein Auto gepackt und bin nach Madrid um eine 1 Jährige Grafikausbildung zu machen… tja und aus 1 Jahr wurden dann 30!!! Insgesamt eine sehr schöne Zeit, aber wie in jedem Leben gibt es auf und abs. In den letzten Jahren dort hatte ich als Hobby einen Rezepte Blog (www.naranjalimon.com), über den ich dann auf Umwegen auf die Motivtorten kam, dann auf das Modellieren. Tja, und dann stand ich plötzlich wieder in Deutschland und begann mit „Keyforcakes

  • Bei der Kuchenmesse wurdest du mit Menschen aus unterschiedlichen Herkünften, die eine Weltkugel tragen, “Best in show”. Auf welche Highlights blickst du noch zurück?

Ja, meine „Weltkugel“ zum Thema Heimat, war und ist immer noch einer meiner wichtigsten Highlights. Hinzufügen würde ich hier noch meine Erfolge auf der Cake international in Birmingham. Zunächst meine „Queen“, aber letztendlich auch das „Brexit-Werk“  einer meiner ersten „größeren“ Werke, bei der ich aus meiner Komfortzone herausgegangen bin. Aber auch andere Werke wie z.B. die Arbeiten für die Collaboration „The Caketastics“ machen mich heute noch Stolz.

Andere Highlights waren sicher in Deutschland, Österreich und seit letzten Jahr sogar in England als Juror agieren zu dürfen. Dies ist eine große Ehre, aber auch eine sehr große Verantwortung, die ich doch sehr ernst nehme.

  • Du hast ein eigenes Modelliertool entwickelt, Dekofee brachte dies auf den Markt. Wie entstand die Idee zu diesem Produkt bzw wie kam es zur Zusammenarbeit?

Nun ich arbeitete damals mit ähnlichen Werkzeugen, aber die kamen eher aus eine anderen Branche, und stanken immer fürchterlich nach Maschinenöl. Erst nach mehrmaligen gründlichen Spülen konnte man sie überhaupt für das modellieren mit Fondant verwenden. Als ich dann mit Dekofee in Kontakt kam, konnte ich dem Angebot nicht widerstehen. Ich überarbeitete Formen, ergänzte Tools, die mir immer fehlten, und so entstand nach einigen Testdurchläufen dann das hochwertige Tool-Set aus Edelstahl*, das ich nicht mehr missen möchte, genauso wenig wie die Zusammenarbeit mit Dekofee.

  • Deine Kurse sind immer sehr gefragt und daher schnell ausgebucht. Was rätst du einem absoluten Beginner beim Modellieren, das unbedingt beachtet oder eingehalten werden sollte?

Geduld! Ein langsames Herantasten an die Materie. Erst Übung macht den Meister, das ist allgemein bekannt, aber man vergisst es auch oft.

Wer nach den Kursen nicht regelmäßig übt, hat zwar sicher einen lustigen Tag mit mir verbracht, aber ob das Gelernte dann wirklich im Kopf bleibt, ist fraglich.

Conchita Wurst  

  • Mit welchen Materialien arbeitest du am Liebsten und warum?

Am liebsten arbeite ich mit dem Fondant „Pastkolor“* . Dieser Fondant ist für mich einzigartig, da man extrem lang damit arbeiten kann, ohne dass die Oberfläche antrocknet, was bei anderen Produkten die lästigen kleinen Risse und Falten hervorruft. In meinen Kursen sind die Leute immer sehr angetan, und viele die sich davor bereits mit anderen Materialien versucht haben, sind begeistert da alles plötzlich viel leichter von der Hand geht.

Ich selber arbeite seit Jahren damit, auch zum Eindecken! Und wie der Zufall es will, wird der Fondant von einer Spanischen Firma vertrieben, die unter dem Namen Sweetkolor bekannt ist. Da ich von all den Produkten wirklich angetan bin, agiere ich seit Anfang des Jahres auch als Vertreter der Marke für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

  • Was war dein Traumberuf als Kind? War das schon immer etwas Handwerkliches?

Handwerklich auf jeden Fall, aber anfangs ging es mehr in Richtung Zeichen / Karikatur. Das habe ich schon als kleines Kind immer gerne gemacht. Loriot arbeitete in den 70er Jahren genau in dem Gebäude wo ich jetzt meine Kurse gebe. Die Zeichentrick Spots von „Wum und Wendelin“ etc, entstanden dort, und Zeichnungen, die nach der Fertigstellung der Filme nicht mehr gebraucht wurden, wanderten in die Mülltonne, von wo ich sie mir als junges Mädchen dann immer  „geklaut“ habe.  Ich hatte mich nach dem Abitur sogar bei einer Zeichentrickfilm Schule angemeldet. Aber leider wurde daraus nichts und bin dann doch eher auf dem Grafikzweig geblieben…

  • Dein Studio, in dem du arbeitest, liegt malerisch direkt am Starnberger See. Kannst du dich an diesen Ort auch in Urlaubsstimmung versetzen?

Das ist gar nicht so einfach. Wenn man viel Arbeitet nimmt man den Ort an dem man lebt oft gar nicht richtig wahr was eigentlich eine Schande ist. Aber ich arbeite sehr daran mir etwas mehr Zeit zu gönnen, und diesen Ort, an dem ich aufgewachsen bin,  mehr wertzuschätzen und vor allen mehr zu genießen, denn ich habe wirklich das Privileg, dort zu wohnen wo andere Urlaub machen.

  • Vor kurzem wurdest du Großmutter. Herzlichen Glückwunsch auf diesem Weg! Wie war dieses Gefühl für dich?

Einfach nur Großartig! So ein kleiner Wurm ist immer wieder ein Weltwunder.  Aber es macht einem auch bewusst, wie schnell die Zeit vergeht. Es kommt mir wie gestern vor, als meine Tochter selber noch ein Baby war. Viele Erinnerungen prallen da gerade auf mich ein. Ein gewisser Rückblick auf mein ganzes Leben, meiner Zeit in Spanien, aber auch ein Blick in die Zukunft. Mein Enkel wird in Spanien aufwachsen, daher muss ich mir schon ernsthaft überlegen, wie ich es klug anstelle ihn regelmäßig sehen zu können…. Ich würde sagen, eine neue Ära bricht da gerade an.

  • Nicola, wie siehst du dich in 10 Jahren? Was sind deine Ziele, Wünsche, Träume?

Ohh… in 10 Jahren? Das ist sehr weit weg. Habe in den letzten Jahren gelernt keine langfristigen Pläne zu machen. Allerdings, nachdem ich ja nicht mehr die Jüngste bin, habe ich auf jeden Fall den  Wunsch/Traum, dass ich es mir in 10 Jahren leisten kann ein etwas ruhigeres und bewussteres Leben zu führen. Mehr genießen, mehr reisen, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, ja, das ist definitiv, was ich mir am meisten wünsche!

Ich finde, das sind sehr schöne Schlussworte und bedanke mich für den interessanten Tortenquatsch mit dir!

Wer mehr über Nicola erfahren möchte oder einen Kurs bei ihr buchen will, um sie selbst kennenzulernen, schaut am besten auf ihrer Homepage oder Facebook-Seite vorbei!

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